04. Februar 2012 08:10 Uhr
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Musikszene 

Legenden und Exotisches

28.06.2010 - BINGEN

Von Andreas Schermer

BINGEN SWINGT Fans genießen bei Traumwetter musikalische Vielfalt

Das internationale Musik-Festival „Bingen swingt“ zieht bei Kaiserwetter und trotz Fußball-WM Tausende in die Stadt am Rhein-Nahe-Eck. Schon am Nachmittag wird in der Hitze des wolkenfreien Himmels beim Blue Moon Quartett emsig die Klaviatur poliert, und zu Chuck Berrys „You Never Can Tell” tanzen die Fans im Brunnen am Speisemarkt.

Auf der Bühne am Winzerknabe schraddelt zu dieser Zeit das Banjo zum Honky-Tonk-Piano im Dixie-Ur-Jazz der Red Hot Hottentots. Beim ähnlich gearteten frühen Chicago-Jazz der Hot Pepper Jazzband tummelt sich das Publikum lieber zu Cocktails und Sekt im schattigen Randbereich, statt in der Sonne vor der Bühne am Bürgermeister-Neff-Platz.

Wenn man ums Rhein-Nahe-Eck biegt, wird man erst auf den letzten Metern gewahr, wo hier die Musik spielt. Die Akustik der Uferbühne ist so gut ausgerichtet, dass wirklich nur die Fans vor Ort die Darbietung zu hören kriegen. Traditionell bläst hier das Binger Losin’ Groove Orchestra zusammen mit dem Jugendjazzorchester Rheinland-Pfalz, der Phoenix Foundation, aus allen Rohren die rasiermesserscharfen Grooves ihres üppig arrangierten „Mainstream“.

Schlagzeuger Wolfgang Haffner unterhält in kleiner Trio-Besetzung mit Kontrabassist Lars Danielsson und Pianist Hubert Nuss mit Songs aus ihrem Album „Shapes”. Haffner zählt zu Deutschlands arriviertesten Schlagwerkern. Am Speisemarkt setzt Posaunist Joe Gallardo mit Salsa-Rhythmen seiner Truppe Latino Blue einen willkommenen exotischen Farbtupfer.

Parallel zum Unterhaltungsprogramm konkurrieren in diesem Jahr erstmals komplette Orchesterbesetzungen aus ganz Deutschland. Bei dem Großevent im Stefan-George-Gymnasium geht es neben dem Jugend-Jazzt-Wettbewerb auch um die Verleihung des Skoda-Preises. Gespannte Stille und großer Jubel herrschen dann auf dem Bürgermeister-Neff-Platz, als Hugo Strasser mit seiner Band die Gewinner ausruft. Der 88-jährige Klarinettist unterhält zwischen den Stücken mit Witzen und Anekdoten.

Am Freidhof zaubert Kontrabassist Vitold Rek mit sphärischen Klängen zu sprudelnden Akkordeonläufen und rauschenden Percussions einen nachdenklichen Soundtrack zur untergehenden Sonne. Zum Tagesausklang gibt sich hier im Quartett die Saxofon-Legende Emil Mangelsdorff die Ehre, der seine Melodien in virtuosen Unisono-Passagen kameradschaftlich am Flügelhorn seines Veterans Ack van Rooyen reibt.

Nach diesem Tag der freien Töne wird das Finale eingängiger, aber keineswegs bescheidener. Die drei Jazz Pistols, Gitarrist Stefan Ivan Schäfer, Bassist Christoph Victor Kaiser und Schlagzeuger Thomas Lui Ludwig, reißen die Zuhörer am Speisemarkt mit in ihrem leidenschaftlich rockenden Energy Jazz.

Auf Burg Klopp hat die Instrumentalband des Münsteraner Gitarristen Gregor Hilden begonnen. Und die Komm’ mit Mann!s nehmen das Publikum schließlich mit auf eine Reise durch eine schwer arbeitende Joe-Cocker-Soulfabrik. Das elfköpfige Ensemble fackelt das musikalische Schlussfeuerwerk ab.

Saxofon-Legende Emil Mangelsdorff (links) im Zusammenspiel mit Ack van Rooyen.	Foto: Edgar Daudistel

Saxofon-Legende Emil Mangelsdorff (links) im Zusammenspiel mit Ack van Rooyen. Foto: Edgar DaudistelVergrößern

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