Das eigene Label als Mentalitätsfrage
01.02.2012 - WIESBADEN
INTERVIEW Reimer Bustorff von der Hamburger Band Kettcar erzählt von ruhigeren Tönen und dem aktuellen Album
Reimer Bustorff ist Bassist der Hamburger Gitarrenpopband Kettcar. Früher spielte der Musiker gemeinsam mit dem heutigen Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch in der Skapunk-Formation Rantanplan. 2001 riefen die beiden Kettcar ins Leben. Da sie für ihr erstes Album kein Plattenlabel fanden, gründeten die beiden gemeinsam mit Tomte-Sänger Thees Uhlmann das heute sehr erfolgreiche Label Hotel van Cleef, das später durch die Quasi-Fusion mit B. A. Records zum Grand Hotel van Cleef wurde. Am 10. Februar erscheint die neue Kettcar-CD „Zwischen den Runden“. Im Interview spricht Bustorff über ruhigere Töne, falsche Kulturpolitik und die Wellenbewegungen von Kettcar.
Die beiden jüngsten Kettcar-Alben „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ und „Sylt“ schafften es jeweils auf Platz 5 der deutschen Charts. Eurem neuesten Langspieler „Zwischen den Runden“ wird Ähnliches prognostiziert. Musst du mittlerweile lächeln, wenn du daran denkst, dass ihr für eure erste Scheibe „Du und wie viel von deinen Freunden“ kein Plattenlabel gefunden habt?
Das ist natürlich eine kleine Genugtuung. Im Endeffekt müssen wir wirklich dankbar dafür sein, dass uns damals niemand wollte und wir mit dem Grand Hotel Van Cleef ein eigenes Label aufbauen konnten, auf dem wir seitdem unsere Scheiben herausbringen. Das ist wirklich super gelaufen.
Ist die Gründung eines eigenen Labels ein Tipp, den du auch anderen Musikern geben kannst, die kein Label finden?
Ich würde das so jedenfalls nicht jedem empfehlen. Wichtig ist auf jeden Fall, bereits über ein funktionierendes Netzwerk zu verfügen. Niemand sollte alleine losgehen und seine Platten bei Saturn in den Regalen unterbringen wollen. Das funktioniert nicht. Wir hatten mit Indigo von Anfang an einen starken Vertriebspartner dabei, den wir bereits kannten und mit dem wir immer noch zusammenarbeiten.
Was braucht es sonst noch, um ein eigenes Label zu führen?
Für Künstler ist das natürlich eine Mentalitätsfrage. Wer eher so der Typ ist, der seinen Kopf den ganzen Tag in der Luft hat und sich freitagabends nicht mit Buchhaltung rumärgern möchte, für den ist ein eigenes Label wahrscheinlich eher nichts. Wir haben uns das ganz gut aufgeteilt. Thees (Uhlmann, Anm. d. Red.) ist das Sprachrohr unseres Labels, Marcus (Wiebusch, Anm. d. Red.) kümmert sich um Vertriebs- und Rechtsfragen und ich kümmere mich um die Buchhaltung.
Mussten dich die anderen dazu überreden?
Nein, das macht mir tatsächlich Spaß. Außerdem ist das eine gute Gelegenheit, um wieder auf den Boden zu kommen. Besonders, wenn man gerade auf dem Southside-Festival oder so gespielt hat. Dann holen einen schwarze oder rote Zahlen doch wieder ganz schnell zurück in die Realität.
Mittlerweile geltet ihr als Wegbereiter des Indiepops in Deutschland. Was hättest du gesagt, wenn dir 1996 jemand gesagt hätte, dass du in 15 Jahren ein solch ruhiges Album wie „Zwischen den Runden“ machen würdest?

