Von Anja Baumgart-Pietsch
KRIMI-HERBST II Ausstellung von Beldan Sezens Krimi-Comic im Wiesbadener Frauenmuseum
Zeit mitbringen sollte man, wenn man sich die Comic-Ausstellung im Frauenmuseum ansehen möchte. Zum Krimiherbst passend, ist hier ein kompletter Krimi in Comicform ausgestellt: "Zakkum", ausgedacht und gezeichnet von einer in Amsterdam lebenden, in Wiesbaden-Dotzheim aufgewachsenen Künstlerin mit türkischen Wurzeln: Beldan Sezen.
Die quirlige 42-Jährige mit der originellen Frisur sagte zur Ausstellungseröffnung, die Idee sei ihr auf einer Parkbank sitzend gekommen. "Ich dachte an meine alte Tante, die gerade gestorben war, und es entstand die Phantasie: Was, wenn sie ermordet wurde?" Natürlich wurde Sezens Tante nicht umgebracht, doch die Idee, einen Krimi-Comic zu verfassen, ließ die Künstlerin nicht los. Also entstand "Zakkum", zu deutsch "Oleander" - wer sich in der Botanik auskennt, weiß, dass diese Kübelpflanze recht giftig ist. In 46 großformatigen Blättern ist im Frauenmuseum über zwei Stockwerke die Geschichte ausgestellt, mit der Belden Sezen ihre Phantasie bebildert hat.
Die Protagonistin, wie ihre Schöpferin in Amsterdam lebend, erhält ein Päckchen merkwürdigen Inhalts und gleichzeitig einen Anruf, der ihr den Tod ihrer Tante verkündet. Sie macht sich auf den Weg nach Istanbul, um die Umstände des mysteriösen Todesfalles aufzuklären. Dabei trifft sie allerlei Bekannte und Verwandte aus der eigenen Vergangenheit, und einer - oder ist es eine? - von ihnen entpuppt sich natürlich zum Schluss als Täter. Auch, wenn die Polizei nicht helfen will - die junge Frau bekommt auf eigene Faust heraus, was passiert ist und verliert im Laufe der "Ermittlungen" einige Illusionen.
Beldan Sezens schwarz-weiße Blätter zeugen von einem gut entwickelten Stilempfinden, die Zeichnungen sind mit kräftigen Strichen und viel Gespür für geschickte Raumaufteilung angefertigt. Die Lösung des "Falles" ist dem aufmerksamen Beobachter zwar schon lange vor der abschließenden Seite 46 klargeworden, doch das macht nichts: Aufmerksames Betrachten der detailreichen Blätter macht Vergnügen und lohnt sich. Die Geschichte ist in englischer Sprache mit Einsprengseln anderer Sprachen verfasst - auch das eine Parallele zur weltenbummelnden Autorin, die selbst bereits in verschiedenen Ländern gelebt hat. Dass diese Ausstellung zustande kam, sei mehreren Zufällen zu verdanken, so Beatrixe Klein vom Frauenmuseum bei der Vernissage: Das niederländische Konsulat habe sie angesprochen, um eine Ausstellung von Künstlerinnen aus diesem Land zu organisieren. So sei sie schon auf Suche gewesen, als sie Beldan Sezens Mail aus Amsterdam erreichte. "Dass sie auch eine gebürtige Wiesbadenerin ist, ist ein schöner Zufall", meinte Klein.
Die Ausstellung ist bis zum 10. Dezember in der Wörth-straße 5 zu sehen, geöffnet ist das Frauenmuseum mittwochs und donnerstags zwischen 12 und 18 Uhr, sonntags von 12 bis 17 Uhr. Führungen gibt es am 8. November, 14. 30 Uhr, und am 6. Dezember um 12 Uhr.

