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Wiesbadener Tagblatt

Lokale Kultur 

Vorbehalte eindrucksvoll widerlegt

05.10.2009 - WIESBADEN

Von Richard Hörnicke

ROSSINI-MESSE Gabriel Dessauer führt in St. Bonifatius die orchestrale Fassung auf

"Lieber Gott, hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik?" Gioacchino Rossini, der geniale Schöpfer so vieler Werke der opera buffa, wollte mit seiner "Petite Messe solennelle" eine "kleine feierliche Messe zur Erbauung" schreiben, die dann aber doch zu einem Werk größeren Umfangs geriet.

Nach der mit Begeisterung aufgenommenen ersten Aufführung in der Besetzung mit Soli, Chor, zwei Klavieren und Harmonium wurde das Werk vom Komponisten ein Jahr vor seinem Tod orchestriert, um Bearbeitungen von fremder Hand auszuschließen. Ähnlich wie Giuseppe Verdi mit seinem "Requiem" wurde auch Rossini mit dem Vorwurf konfrontiert, diese Bearbeitung trage unverkennbar die Handschrift des auf große Wirkung bedachten Opernkomponisten.

Aus diesem Grund wird neuerdings bei Aufführungen eher auf die Grundfassung der Messe zurückgegriffen. Gabriel Dessauer hatte sich in St. Bonifatius für die Aufführung der orchestralen Fassung entschieden und konnte mit der leidenschaftlich durchpulsten und dramatisch fokussierten Interpretation diese Vorbehalte widerlegen.

Freilich musste er sich mit Chor, Orchester und Solisten mit dem starken Nachhall im dicht gefüllten Kirchenraum auseinandersetzen, der besonders bei dem massiven Einsatz der Blechbläser auffiel und die Textverständlichkeit oft erschwerte.

Ihm gelang mit seinem bestens vorbereiteten Chor und den Instrumentalisten des Hessischen Staatsorchesters eine sehr bewegende Gestaltung, der Chor sang die fugierten und A-capella-Sätze klar konturiert, imponierte mit gut abgestuftem, sich oft zu markanter Tonfülle steigerndem Ausdruck, reagierte wendig und zuverlässig auf Dessauers präzises Dirigat.

Die vier Gesangssolisten hat Rossini mit anspruchsvollen Aufgaben bedacht. Hier sind zuerst die Sängerinnen zu nennen, Johanna Rosskopp mit silbrig aufstrahlendem Sopran, Diana Schmidt mit fülliger, weicher Altstimme. Ihnen respektabel zur Seite Tenor Daniel Jenz und Florian Rosskopp (Bass), den Orgelpart versah Manuel Grau zuverlässig.

Sehr herzlicher Beifall, vielleicht begegnet man dem Werk, besonders im Hinblick auf die akustischen Verhältnisse in St. Bonifatius, dort auch einmal in der kleiner besetzten Urfassung...


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