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Wiesbadener Tagblatt

Lokale Kultur 

Verdammt lang her: Rock, live und in Farbe

17.07.2007 - MÜNCHEN

Von Frank Rauscher

Das WDR-Fernsehen erinnert in einer Serie an "30 Jahre Rockpalast" / Samstagnacht war früher immer Party vor dem Bildschirm

MÜNCHEN Den Anfang machte Rory Gallagher. Er eröffnete am 23. Juli 1977 lautstark, virtuos und standesgemäß die erste "Rocknacht" des WDR, und die Blues-Rock-Legende gab später selbstverständlich zu Protokoll, der Gig in der Essener Grugahalle TV aktuell sei sein bis dahin bester Auftritt gewesen. Der rockende Teil der Ü-40-Fraktion mag sich mit von Seligkeit angefeuchteten Augen erinnern. Aber vielmehr als die Erinnerung ist nicht geblieben aus jenen Jahren, in denen Samstagnacht, gleich nach dem "Wort zum Sonntag", also im Hauptprogramm der ARD, das Gitarrensolo und die Live-Musik erdig Urständ` feierten. Gute Rockmusik im Fernsehen ist selten geworden, gute Musiksendungen ebenso. Und Rory Gallagher starb 1995. Das WDR-Fernsehen hielt, allerdings gestutzt und von einer mehrjährigen Unterbrechung abgesehen, zuletzt an seinem Nischenformat "Rockpalast" fest und zeigt zu nachtschlafender Zeit nach wie vor regelmäßig Mitschnitte von Konzertereignissen wie dem "Bizarre"-Festival, "Rock am Ring" oder den Gigs am Loreley-Felsen, der neben der Grugahalle die zweite große Kultstätte des "Rockpalasts" ist. Derzeit erinnert das WDR-Fernsehen mit einer Serie an die Protagonisten, Götter und Monster des Rock. "30 Jahre Rockpalast" ist noch bis Ende Juli, jeweils samstags im Spätprogramm zu sehen. Und am 21. Juli gibt es dann auch ein Wiedersehen mit Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinns Thunderbird, den Stars der allerersten Ausgabe. "100 Prozent", pflegte Peter Rüchel auf die Frage nach den Quoten seiner "Rockpalast"-Sendungen zu antworten. "Alle, für die Rockmusik ein Lebensmittel ist, haben zugeguckt." Wenn es Rock-Götter gibt, dann ist der heute 70-jährige Rüchel so etwas wie der Papst des Rock-Fernsehens. Das TV-Urgestein, 1974 vom ZDF zum WDR gekommen, entwickelte zusammen mit Regisseur Christian Wagner einst das Konzept der langen Rocknacht, die zweimal jährlich live im Ersten übertragen wurde. Damals drang das Fernsehen tatsächlich noch in solche bis dato unerforschten Gebiete vor. Und die "Rocknacht" funktionierte anfangs prächtig, daran konnten selbst lange Umbaupausen, in denen eigentlich nichts passierte, ein offenes Ende (das Fernsehen blieb bis zum Schluss der letzten Zugabe dran) und die späte Sendezeit nichts ändern. "Rockpalast"-Gucken wurde in den späten 70-ern zu einer Art Partyevent unter Jugendlichen. Das Wichtigste: Am nächsten Tag war Sonntag. Fünf Freunde, eine Kiste Bier, zwei große Tüten Chips, dreieinhalb, manchmal fünf, sechs Stunden Rock'n'Roll. Und zwar in Stereo: Die auch im europäischen Ausland erfolgreiche Eurovisionssendung wurde parallel im Radio übertragen. Heute sind jene magischen Momente der großen Rock-Nächte nurmehr eine exklusive Jugenderinnerung der Übervierzigjährigen. Schön war's. Doch irgendwann, in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre änderte sich die Medienlandschaft recht radikal, das Privatfernsehen hielt Einzug, und man entdeckte das Phänomen des Quotendrucks. Die letzte "Rocknacht" fand am 16. März 1986 statt. Big Country, Jackson Browne und BAP traten auf. Und Peter Rüchel ließ es sich nicht nehmen, selbst die Bühne zu entern und gemeinsam mit Wolfgang Niedeken "Verdamp lang her" anzustimmen. Natürlich waren Rüchel und seine Mitstreiter damals maßlos enttäuscht, dass die "Rocknächte", die er als den "Kern des `Rockpalastes´" bezeichnet, eingestellt wurden. Doch inzwischen, so verriet er, als er vor fünf Jahren in den Ruhestand ging, sehe er das Ende durchaus positiv: So entstand Zeit für neue Ideen und eine Neuorientierung. Heute hat er wesentlichen Anteil daran, dass der "Rockpalast" seit 1995 wieder Programmbestandteil des WDR-Fernsehens ist. In der Jubiläumsreihe "30 Jahre Rockpalast" präsentieren nun Christian Wagner und Guido Weiss wöchentlich die Höhepunkte aus der Rockpalast-Geschichte. Und da ist ein bisschen Ehrfurcht und Gänsehaut schon angebracht: Zum Beispiel, wenn es am 23. Juli ein Wiedersehen mit Michael Hutchence und seiner Band INXS gibt. Der 1997 37-jährig verstorbene Sänger rockte für den "Rockpalast" 1984 die Hamburger Markthalle. Weitere Infos unter www.rockpalastarchiv.de www.rockpalast.de www.rockpalast-fans.de


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