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Wiesbadener Tagblatt

Lokale Kultur 

"Ox und Esel" im Zentrum

18.12.2008

Von Anja Baumgart-Pietsch

Das mobile "Thespis-Projekttheater" mit origineller Geschichte unterwegs

"Wo bleiben denn jetzt Maria und Josef?" fragten die Konfirmanden nach dem Stück die Darsteller. Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte hatten sie gerade zu sehen bekommen: Das Kind in der Krippe im Stall - bis dahin stimmt es noch mit dem überein, was zu Heiligabend in der Kirche vorgelesen wird. Doch hier sind Ochs, oder besser "Ox" und Esel die Hauptpersonen. Sie werden verkörpert von Uwe Hangen und Marianne Thiel, zwei Schauspielern mit langer Erfahrung auf unterschiedlichen Amateurbühnen, von der "Taunusbühne" bis zu den "Rufern". Gemeinsam mit dem ebenso erfahrenen Theatermann Michael Klatte bilden sie seit einem Jahr das "Thespis-Projekttheater". Hauptberuflich haben sie mit Theater fast nichts zu tun: Klatte ist Flugkapitän im Ruhestand, Hangen arbeitet in der Verwaltung der Polizei und Marianne Thiel in der Geschäftsstelle der Theatergemeinde Wiesbaden. Begeistert vom Schauspielen sind sie aber alle drei - und haben sich daher entschlossen, ihr eigenes Projekttheater auf die Beine zu stellen. Das Stück ""Ox und Esel" hatte Marianne Thiel auf einem Jugendtheaterfestival fasziniert, "das wollte ich auch spielen". Um einmal richtig konzentriert mit einem kleinen Ensemble zu arbeiten, mit hohem Anspruch und vor allem auch wechselnden Aufführungsorten, suchte sie sich die beiden Mitstreiter, die sie schon lange persönlich kannte. Und so stehen nun Hangen und Thiel auf der Bühne, während Michael Klatte für die Inszenierung sorgte. Geprobt wird bei Marianne Thiel im Keller, das mobile Bühnenbild hat Uwe Hangen gebaut. Die drei "Thespis"-Mitglieder wollen das Theater zu den Menschen bringen, gerade zu denen, die vielleicht sonst Berührungsängste haben - und suchen daher ungewöhnliche Spielorte: Altenheime, Kirchengemeinden, Schulen. Sie haben an solchen Orten das Stück mehrmals aufgeführt. Eine breitere Öffentlichkeit kann am Donnerstag, 18. Dezember, um 19 Uhr im Kulturclub Biebrich und am 21. Dezember um 17 Uhr im Thalhaus die ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte sehen - wobei für beide Termine nur noch Restkarten erhältlich sind, sagen die Schauspieler. "Die Resonanz freut uns natürlich sehr", sagt Uwe Hangen und berichtet von begeisterten Publikumsreaktionen - ob es die Altenheimbewohner in Taunusstein oder die Konfirmanden aus Igstadt waren. Denn die Geschichte geht über die eigentliche Weihnachts-Handlung hinaus und erzählt von der Verantwortung, die Erwachsene für Kinder haben: "Eigentlich ist jedes Kind ein Christkind", erklärt Michael Klatte die Intention des Autors, Norbert Ebel. "Und wir Erwachsenen müssen uns um alle Kinder sorgen". Das fünfzigminütige Stück habe auch viele komödiantische Elemente, so Marianne Thiel, "und es spielt auch mit den Vorurteilen über die Geschlechterrollen". Nächstes Jahr zur Weihnachtszeit will die selbst ernannte "Wanderbühne" es wieder spielen: Vielleicht auch mal im Krankenhaus oder Hospiz. "Und für den Sommer überlegen wir uns dann was anderes", sagt Uwe Hangen, "wir werden uns nach und nach ein Repertoire aufbauen".


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