Freitag, 10. Februar 2012 21:19 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Lokale Kultur 

"Ich möchte Müttern helfen"

04.11.2008

Gespräch mit Eva Herman vor ihrer Lesung morgen in Wiesbaden

Lange war Eva Herman den Fernsehzuschauern vor allem als Sprecherin der Tagesschau oder als Moderatorin der NDR-Talkshow "Herman & Tietjen" bekannt. Für Wirbel sorgte sie als Autorin der Bücher "Das Eva-Prinzip" (2006) und "Das Prinzip Arche Noah" (2007). Ihre Thesen über fehlgelaufene Frauenemanzipation sorgten für kontroverse Diskussionen. Als nach der Pressekonferenz zu "Das Prinzip Arche Noah" behauptet wurde, die Autorin habe sich positiv über die Familienpolitik des Nationalsozialismus geäußert, kündigte ihr der NDR den Vertrag.

Sie haben gegen die Kündigung des NDR geklagt, weil dessen Entscheidung auf der Grundlage eines verkürzt und verfälscht wiedergegebenen Zitats beruhe. Inzwischen hat sich das Landesarbeitsgericht Hamburg dazu geäußert. Mit welchem Ergebnis? Herman: Der Vorsitzende Richter des Landesarbeitsgerichtes Hamburg stellte in der Verhandlung am 1.Oktober unmissverständlich klar, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt lobend über das Dritte Reich geäußert habe, und dass meine Äußerungen vielmehr verkürzt und verfälscht in der Presse wiedergegeben wurden. Der Richter machte ebenso deutlich, dass ich im Berufungsverfahren Erfolg haben könne. Ihr Freispruch vom Vorwurf, nationalsozialistische Familienpolitik schön geredet zu haben, ist das eine. Die öffentliche Ablehnung Ihrer Thesen jedoch bleibt. Was sind die Kernpunkte Ihrer Kritik an der Frauenemanzipation? Herman: Es gibt eine öffentliche Meinung, die sich allerdings beträchtlich von der veröffentlichten Meinung unterscheidet. In zahlreichen Medien wird der Zeitgeistgedanke vertreten, eine moderne Frau gelte nur dann etwas, wenn sie erwerbstätig ist und ihre Kinder in der Krippe abgibt. Die allermeisten Mütter würden aber nachgewiesenermaßen viel lieber in den ersten Jahren bei ihren Kindern zuhause bleiben. Dies ist in den meisten Fällen aus finanziellen Gründen nicht möglich. Meine Empfehlung lautete vom ersten Tag an: Stellt ihnen entweder einen Krippenplatz zur Verfügung oder bietet ihnen das Geld an, was ein Krippenplatz kostet, also etwa 1000 bis 1500 Euro. Dann haben sie echte Wahlfreiheit. Sie lassen kein gutes Haar am Feminismus und dessen bekanntester Vertreterin Alice Schwarzer. Was werfen Sie dem Feminismus vor? Herman: Inzwischen gibt es ziemlich unterschiedliche Formen des Feminismus, ob es nun die modernen Alpha-Mädchen oder "Zeitgeist-Surferinnen" wie Charlotte Roche sind oder ob es sich um früh sexualisierte Kinder mit einer völlig irrationalen Vorstellung zum Weiblichen handelt. Mit alledem will übrigens Alice Schwarzer nichts mehr zu tun haben. Ihr scheint das Schöpfungsgesetz vom Säen und Ernten nicht geläufig zu sein, denn es sind ihre eigenen Früchte, die sie heute aushalten muss. Wir befinden uns durch Gleichstellungsgesetze und Gender-Mainstreaming, ein durch Steuern finanziertes Milliardenprogramm, in einer ziemlich fortgeschrittenen Phase einseitiger Frauenförderung und nachhaltiger Männerbenachteiligung. Sie waren voll berufstätig, als 1997 Ihr Sohn geboren wurde. In "Überlebensprinzip" äußern Sie sich massiv gegen Kinderkrippen und plädieren für eine häusliche Kinderbetreuung der Mutter in den ersten drei Lebensjahren. Wie haben Sie damals das Problem gelöst? Interview Herman: Ich selbst habe damals aus Unwissenheit Fehler gemacht. Ich war eine klassische Karrierefrau, und jahrelang taten mir die Mütter zuhause eher leid. Heute schäme ich mich für diese arrogante und dumme Einstellung. Auch ich habe die Bedürfnisse meines Kindes zunächst unterschätzt und bin erst einmal wieder arbeiten gegangen. Doch stellte ich bald fest, dass ich den Tag im Dienst über kaum etwas anderes nachdachte als: Geht es dem Kleinen auch wirklich gut? Bis ich feststellte, dass ich selbst vor Sehnsucht fast umkam. Dann nahm ich eine einjährige Auszeit bei der Tagesschau und reduzierte anschließend mein Arbeitspensum. Mit meinen Büchern möchte ich denjenigen Müttern helfen, die eventuell ähnliches durchleben. Ihre Einstellung zur Emanzipation habe sich gewandelt, sagen Sie in "Überlebensprinzip". Sind Sie heute dagegen, dass Frauen und Mütter arbeiten? Für viele Alleinerziehende ist Berufstätigkeit keine Frage der Selbstverwirklichung, sondern der Existenz. Herman: Zu keinem Zeitpunkt war ich gegen die Berufstätigkeit der Frau. Im Gegenteil: Jede Frau sollte ihren Beruf erlernen, sie soll studieren und arbeiten können, so wie sie es möchte. Aber wenn dann Kinder kommen, dann soll sie wenigstens die ersten Jahre mit ihnen gemeinsam verbringen können und sollte nicht denken: Was für eine Schande, dass ich jetzt zu Hause herumsitze. Dieses Zitat stammt übrigens von Astrid Lindgren, die die Misere der Frauen schon vor vielen Jahren erkannt hatte. Alleinerziehende stehen permanent unter wirtschaftlichem Druck, haben kaum Zeit für die Kinder. Diese Frauen brauchen dringend Entlastung, vor allem finanzielle. Hier sind neue Gesetze erforderlich. Dafür werde ich mich auch weiter einsetzen. Das Gespräch führte Marianne Kreikenbom


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