Von Doris Kösterke
URAUFFÜHRUNG Colin Mawbys Bonifatiusmesse
Der Chor von St. Bonifatius krönte sein 150-jähriges Chorjubiläum mit der Uraufführung einer Fest-Messe, die sein Leiter, Gabriel Dessauer, bei einem Komponisten in Auftrag gegeben hatte, der hier auf dem Festland erst beginnt, entdeckt zu werden: dem 76-jährigen Engländer Sir Colin Mawby.
Für den Kompositionsauftrag machte Dessauer ihn mit der besonderen Akustik der Bonifatiuskirche und dem Entwicklungsstand des gemischten „Boni-Chors“ und des großen Kinderchors vertraut. Damit die Aufführung finanziell zu verkraften ist, hatte Dessauer den Komponisten darüber hinaus gebeten, das Orchester durch je einen anspruchsvollen Orgel- und Oboenpart zu ersetzen, zumal seine Tochter eine aufstrebende Oboistin ist. Sir Mawby stellte der Solo-Oboe aus klanglichen Gründen noch einen melismenreichen, in luftigen Höhen angesiedelten Solo-Sopranpart zur Seite.
Bei der Uraufführung der im Untertitel sogenannten „Bonifatiusmesse“ war der Komponist zugegen und schien anfangs nicht weniger aufgeregt zu sein als der Chor. Aber das Lampenfieber löste sich bald auf in Konzentration und Energie. Bemerkenswert selbstbewusst forderte der Chor im „Kyrie“ das göttliche Erbarmen, während die Nervosität im Gesicht des Komponisten sich zu anerkennendem Lächeln wandelte.
Eine Insel im Chorklang
Rhythmisch pointiert und mit plastischen Registerwechseln gestaltete Ignace Michiels das Orgelvorspiel zum Gloria mit dem für ihn typischen, zupackenden Anschlag. Auch der Chor zeigte sich den rhythmischen Anforderungen gut gewachsen. Hier bildete das „Quoniam tu solus Sanctus“ die Insel im Chorklang, auf der in fast allen Sätzen Leonie Dessauer (Oboe) und die Sopranistin Natascha Jung einander ätherisch umspielten. Die Farbigkeit, die der Komponist auch über den isolierten Einsatz einzelner Chorgruppen erzielte, kam wirkungsvoll zu Geltung. Als weiteres Stil-Merkmal zeigte sich eine reiche Chromatik, die von der Stimmführung her nicht über ein aus Barock und Romantik vertrautes Maß hinausging, aber spannungsvolle Harmonien ergab. Darüber hinaus zeigte sich Mawby als Spezialist für eingängige Melodien, die, etwa im Orgelvorspiel zum Credo, einen regelrechten Groove entwickeln konnten.
Ansprechend transparent sang der Kinderchor die ihm zugedachte Einlage „Christ be with me“ vor dem lichten „Ite, missa est“. Im Anschluss an das Konzert lobte Oberbürgermeister Helmut Müller im Roncallisaal die Kontinuität des Chores, die ein derart „ambitioniertes Projekt“ hervorgebracht hatte, und überreichte dem Chor die Stadtplakette in Gold.


