Im Weiß des Mondes
26.02.2010 - WIESBADEN
Von Birgitta Lamparth
PROBENBESUCH Kammerspiele Wiesbaden bringen "Salome" heraus
Die alte Geschichte. Einer begehrt einen anderen. Der will nicht. Da rächt sich der Abgewiesene - und macht sich das Begehren eines anderen dafür zunutze. Es gibt wohl keine Geschichte, die so viel von der Gier und der Brutalität des Menschen entblößt wie Oscar Wildes "Salome" - Grund für die Kammerspiele Wiesbaden, das Stück jetzt in der intimen Atmosphäre der schönen und originellen Räumlichkeiten in ihrem Domizil an der Bergkirche herauszubringen. Premiere ist am Samstag, das Tagblatt war bei einer Durchlaufprobe dabei.
Mirjam Pabel steht als Salome inmitten einer wie vom Mond beschienenen Seen-Landschaft, in der Außen und Innen eins sind (Bühnenbild und Kostüme: Carolin Hanf). Wasserkisten türmen sich zum Thron auf, Rohrkolben recken sich zu bleichen Bambushalmen. Dem Täufer Johannes verfällt Salome auf Distanz: Vom Band kommt seine Stimme, als Videoprojektion sein Gesicht. Beides reicht für die ätherisch-somnambule Mondschwärmerin, die auch als Rächerin entrückt bleibt. Ganz handfest-menschlich dagegen Gregor Schober als ihr Vater und Andea Hintermaier als Mutter mit ihrem jeweiligen Begehren: Der eine will sein halbes Königreich für einen Tanz Salomes geben, die andere den ganzen König haben...
Die Texte sitzen bereits exakt - obwohl das Ensemble nur zwei Probewochen hatte. Riccardo Ibba muss kaum eingreifen. Schon früher hatte man die "Salome" ins Auge gefasst, erzählt der Regisseur, der als Schauspieler auch im Staatstheater schon als Gast auf der Bühne stand. Früher - das war, als er mit Gregor Michael Schober noch das "ensemble2" bildete, das unter anderem im Schlachthof auftrat und aus dem Passage-Kino einen Kulturraum machen wollte.
Schober gründete nun im Oktober 2009 die Kammerspiele Wiesbaden (wir berichteten), die sich zu einem Geheimtipp an engagiertem, auch experimentellerem Theater entwickelt haben. "Die Inszenierungen der Kammerspiele werden gut angenommen", so Schober. Allein im Dezember habe man für insgesamt 400 Kinder das Kinderstück gespielt. Auch die "Talenttage" (Schauspielworkshops - wieder am 13./14. März sowie 27./28. März) kommen gut an. Schon laufen die Proben für die nächste Premiere: Schnitzlers Reigen, ab 20. März. Und im Mai ist eine Komödie geplant. Aber jetzt kommt erstmal "Salome".

