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Lokale Kultur 

Die Welt, die fremde

05.12.2009 - WIESBADEN

Von Birgitta Lamparth

AUSZEICHNUNG Hermann Hesse Förderpreis für Wiesbadener Autor Christophe Fricker/Lesung am 17. Dezember

Als er sechs Jahre alt war, da träumte er von einem Leben außerhalb seines "neunzehnten Jahrhunderts" - außerhalb von Wiesbaden. Indien war damals eines seiner Traumziele. Und Groß-Gerau. "Und ich träumte davon, einmal aus der Ferne an diese Heimlichkeit, an die Vertrautheit und an meine Voraussicht zurückzudenken", schreibt Christophe Fricker später über diese Zeit. Das hat er jetzt getan: "Larkin Terminal. Von fremden Ländern und Menschen" ist der Titel seines neuen Buchs von Reisereportagen. Und eine dieser Geschichten führt dabei auch in die eigene Kindheit: Nach Wiesbaden.

Hierher kam der zur Zeit in Durham in North-Carolina lebende Autor jetzt aus besonderem Anlass zurück: Er wurde mit dem Hermann Hesse Förderpreis ausgezeichnet, für seinen Gedichtband "Das schöne Auge des Betrachters". Der Lyriker, so die Begründung der Hesse Literaturstiftung, zähle damit zu den großen Hoffnungen der zeitgenössischen Dichtung: "In bewusster Anknüpfung an die Gedankenlyrik Stefan Georges sprechen seine Texte von Freundschaft und Liebe."

Für Fricker selbst war die Preisverleihung "eine tolle Ermutigung", wie er im Tagblatt-Gespräch erzählt. Was verbindet er mit Namensgeber Hermann Hesse? "Ein paar sehr schöne Zeilen" antwortet Fricker. Vor allem das berühmte "Allem Anfang wohnt ein Zauber inne" - das sei ja auch deshalb "zu Tode zitiert, weil es einfach wahr ist". Und: "Man erinnert sich später immer an den Anfang, an das erste Mal."

Vielleicht fällt ihm auch deshalb diese Zeile sofort ein, weil er selbst viele solcher Anfänge erlebt hat. In Wiesbaden 1978 geboren und aufgewachsen, hier Abitur gemacht - übrigens zusammen mit Christina Köhler - später Zivildienst. Und mit 21 seinen Kindheitstraum von der Reise in die weite Welt verwirklicht: Singapur und Halifax in Kanada waren dabei Stationen, in Oxford hat Fricker studiert und promoviert. Und übernahm dann für ein Jahr die Leitung des deutschen Sprachprogramms an der renommierten Duke University in Durham. Dort schreibt auch er auch jetzt wieder Gedichte, übersetzt aber auch US-Dichter wie Edgar Bowers, aus seiner Sicht "ein unentdeckter Klassiker".

Begegnungen an all diesen fremden Orten hat er sein neues Buch gewidmet, aus dem er am 17. Dezember im Wiesbadener Antiquariat Wiederspahn lesen wird. "Larkin Terminal", so heißt eine Überlandbus-Station in Malaysia - ein Titel also, der für das Reisen, den kurzen Moment der gemeinsamen Erfahrung steht. Wunderbar beobachtet, mit melancholischem Ton und bilderreicher Sprache kreist Fricker die kleinen und großen Schlüsselszenen ein, die ganze Lebensentwürfe enthalten können. Mit feiner Ironie nähert er sich dabei auch seiner Heimatstadt: "Frankfurt hat Banken, Wiesbaden hat Bänke." Solche Sätze stehen mitten in seiner Schilderung eines Spaziergangs im Kurpark seiner Kindheit. Manches klingt tatsächlich nach dem 19. Jahrhundert - so weit zurück aus dem Blick des Erzählers, dass man sich immer wieder sein Alter vergegenwärtigen muss.

Wie blickt er heute auf Wiesbaden? "Ich liebe mein Wiesbaden heiß und innig", versichert Christophe Fricker. Auch wenn es ihn so weit weg getrieben hat. Gibt es noch Traumziele für ihn? Was ist aus Groß-Gerau geworden? Fricker lacht. Das war für ihn als Kind ein Inbegriff der Weltreise. Heute, sagt er, würde er gerne mal längere Zeit in Westafrika verbringen. Nach Durham? Will er zunächst nach Deutschland zurückkehren, um der Sprache wieder näher zu sein. Und vielleicht damit auch Wiesbaden.

Christophe Fricker im stummen Dialog mit der Weltkugel - eine Impression aus der Bibliothek des St. John´s College in Oxford, wo der Wiesbadener promoviert hat.Foto: Marie Isabel SchlinzigVergrößern

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