Von Birgitta Lamparth
KALENDER Theresia Hebenstreit und die Buchhandlung Spielen und Lesen bringen "Ganz schön nackt" heraus
Sie kommen ganz schön rum. Seitdem ihre Schöpferin, die Wiesbadener Keramikerin Theresia Hebenstreit, ihre herrlich drallen Weiber vor neun Jahren erfand, haben sie schon viel von der Welt gesehen. Was mit 50 Varianten ihrer ersten Nackten zu ihrem 50. Geburtstag und einer Ausstellung im Wiesbadener Rathaus im Jahr 2000 begann, führte zu einer Tournee von "1001 nackt" bis nach China.
Die kleinste Tonfigur freilich, die hat es besonders weit gebracht: "Luzie auf Reisen" hieß 2008 der Kalender, zu dem die Dotzheimer Buchhändlerin Elke Deichmann (Spielen und Lesen) die Idee hatte und den sie auch vertrieb. Luzie begleitete nicht nur Theresia Hebenstreit bei Auslandsaufenthalten, sie durfte auch bei Freunden und Bekannten ins Urlaubsgepäck.
Und so gibt es eine Fülle von Fotografien - mit Luzie vor dem Kreml, auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder in Kreta. Und alle 500 Exemplare des witzigen Kalenders, die im vergangenen Jahr angeboten wurden, gingen schnell weg.
"Wie toppen wir das nun?" Vor dieser Frage standen Theresia Hebenstreit und Elke Deichmann in diesem Jahr. Und kamen auf eine ebenso schöne Idee: Diesmal waren es unterschiedliche Figuren, und diesmal waren es Wiesbadener Motive, die durch sie in einem ganz neuen Licht gesehen wurden und bisweilen auch gar nicht direkt erkennbar sind. Und so ist mit dem Kalender "Ganz schön nackt" auch eine kleine Entdeckungsreise durch die Stadt entstanden.
Die wunderbar selbstbewussten Nackten gehen richtige Dialoge mit Wahrzeichen wie dem Schillerdenkmal oder dem Biebricher Schloss, der Konzertmuschel des Kurparks (siehe Foto) oder dem Staatstheater ein. Fotografiert wurden alle von Theresia Hebenstreit. "Ich mache das immer selbst, ich glaube, ich habe das richtige Gespür für die Lebendigkeit der Figuren und die Umgebung, die sie brauchen."
In welcher Umgebung die von ihr bisher verkauften Arbeiten heute stehen, auch das hat sie übrigens schon erkundet - und die Sammler gebeten, ihrerseits die vielen Einzelfiguren von "1001 nackt" an ihrem neuen Wohnort zu fotografieren. "Ich habe das ja immer im Kopf als Bild der Gemeinsamkeit", erzählt die Künstlerin. Auf ihrer Website setzt sie es wieder zusammen: Mit ihren Plastiken auf fremden Kaminsimsen, in Treppenhausnischen, zwischen Hummelfiguren.
Fertig ist sie mit dem Thema noch lange nicht. Jetzt kommt erstmal eine große Ausstellung im Hamelner Kunstverein, die am 14. November eröffnet wird. Und parallel entstehen ihre "Mädels" in den unterschiedlichsten Varianten - als Fotoübermalung oder als Bewegungsstudie. Schließlich, so die Keramikern, "sind sie ja schon mein Markenzeichen".

