Von Richard Hörnicke
Welch hohe Anerkennung der alle zwei Jahre im Rahmen der Bachwochen stattfindende Internationale Orgelwettbewerb genießt, lässt sich schon an der zunehmenden Zahl der Teilnehmer ersehen. Insgesamt 40 Organisten hatten sich zum bereits 17. Wettbewerb um den Bachpreis der Landeshauptstadt gemeldet, von denen sich drei für das Abschlusskonzert in der Lutherkirche qualifizierten.
Professor Martin Lutz hebt als einer der Organisatoren des Wettbewerbs das hohe Niveau der jungen Künstler hervor, die sich nun bewähren mussten. Den Anfang machte Winfried Lichtscheidel mit einer eindrucksvollen Bach-Interpretation. Als zweiter Kandidat verblüffte der Ungar Balász Szabó unter anderem mit furiosem Pedalspiel, und am Ende überzeugte Anna-Victoria Baltrusch schließlich die Jury.
Die Aufgabe: Bachs Präludium und Fuge in Es-Dur (BWV 552), der erste Satz aus Widors Orgelsymphonie Nr. 5 in f-Moll, op. 42/1 und "Introduction et Toccata" für Pedal solo von Denis Bédard (geb. 1950). Es galt, bei Bach die klare Auffächerung des polyphonen Gewebes, bei Widor durch kluges Bemessen der Registrierung die reiche, orchestrale Ornamentik, bei Bédard die Struktur der mitreißenden Komposition in virtuosen Beherrschung des Pedals zu entfalten.
Bis auf zwei kleinere Aussetzer bei Widor wurden die Anforderungen an technisches Können, Registrierung und Formkraft im Wechsel von der Klaisorgel zur "romantischen" Walckerorgel (bei Widor) glänzend erfüllt. Die Besucher hatten nach Ende des Konzerts auf einem Zettel den nach ihrer Ansicht besten Akteur mit einem Kreuz bezeichnet. Guy Bovet war es als Juror vorbehalten, die Rangfolge der Preisträger zu nennen. Der erste mit 4 000 Euro dotierte Preis der Stadt wurde durch Stadträtin Rita Thies an die erst 20jährige Anna-Victoria Baltrusch aus Berlin überreicht, der zweite mit 2 500 Euro dotierte Preis des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ging an Balász Szabó, den dritten mit 1 500 Euro dotierten Preis der Bach-Gesellschaft Wiesbaden erhielt Winfried Lichtscheidel aus Friedrichshafen.

