Von Anne Winkel
AUSSTELLUNG China zu Gast im Wiesbadener Thalhaus
China macht Schlagzeilen. Als Jahrtausende alte Kultur ebenso wie als Gastland der Buchmesse. Mit einer Ausstellung eröffnet jetzt das Wiesbadener Thalhaus seinen Programmschwerpunkt "China zu Gast". Jie Ma, Po Chung, Wang Chen und Theresia Hebenstreit zeigen Werke, die mit chinesischen Kunsttraditionen spielen, ihnen widersprechen oder sie mit westlichen Elementen kombinieren.
Ein übermächtig erscheinendes Zeugnis chinesischer Kunst ist die Terrakotta-Armee im Mausoleum von Qin Shihuangdi, dem ersten Kaiser Chinas. Wer sollte sich der Wucht der rund 7 300 lebensgroßen Soldatenfiguren entgegen stellen? Die Terrakotta-Frauen der Wiesbadener Künstlerin Theresia Hebenstreit wagen es. Breitbeinig, kokett und vor allem: völlig nackt versperren sie der Armee den Weg. Die Frauenfiguren sind eine Anlehnung an Hebenstreits Projekt "1001nackt", das die Künstlerin 2007 an der Uni Tangshan in China präsentierte.
Flankiert werden die nackten Frauen von Bildern und Drucken des 1943 in Macau geborenen Po Chung. Darauf erscheinen vertraute chinesische Motive in ungewöhnlicher Umsetzung. Für seine Gemälde nutzt Po Chung nahezu transparentes chinesisches Reispapier, auf das er Landschaften in kräftigen Tuschelinien skizziert. Gefüllt werden die Zeichnungen mit einem großflächigen Auftrag von intensiver Farbigkeit. Dass die chinesische Kunstausbildung mit starkem Fokus auf Technik und Dinglichkeit auch zu abstraktem Schaffen führen kann, beweisen Wang Chens Werke. Durch ihre Farbmotive in breitem Pinselaufstrich dringen jedoch stets Anklänge an realistische Landschaften.
Entgegen der Farbigkeit ihrer beiden chinesischen Künstlerkollegen setzt Jie Ma auf den Kontrast zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Fülle und Leere. Die Motive erinnern an chinesische Schriftzeichen und erzeugen einen eigentümlichen Rhythmus. "Sie machen etwas mit einem", bemerkt Theresia Hebenstreit anlässlich der Ausstellungseröffnung. Wie ungebrochen die Anziehungskraft chinesischer Kultur trotz der politischen Situation ist, beweist der gelungene Auftakt der Veranstaltungsreihe "China zu Gast". Ein reger Besucherandrang genoss bei der Vernissage einen Einblick in die große Kunstvielfalt Chinas.

