Von Anja Baumgart-Pietsch
KLOSTER EBERBACH Ensemble aus Berlin verkörpert am 10. Oktober den Rebensaft
Eine ganz besondere Aufführung erwartet die Zuschauer am Samstag, 10. Oktober, im Kloster Eberbach: Der Wein als sein eigener Hauptdarsteller wird auf der Bühne stehen, sich selbst präsentieren, gären, sprudeln und reifen, als sein eigener Gästeführer agieren und die Klostergeschichte aus diesem Blickwinkel erzählen, sich schließlich sozusagen selbst ins Glas zum Probieren einschenken.
Das bei dieser Gelegenheit mit seinem Stück "Im Namen des Weins" zum ersten Mal in Eberbach gastierende Ensemble "Weinkörper. Theater als Wein" hat sich auf vinologische Themen spezialisiert. Es hat sich in Berlin vor fünf Jahren gegründet. Das Team bestehet aus Berliner Schauspielern, dem Regisseur und Autor Heiko Michels, Dramaturgie und Bühnenbildner, die regelmäßig zusammenarbeiten. Sie haben bereits Weintheaterstücke für Orte in der Pfalz, in Franken und auf Weinmessen verfasst und aufgeführt. "Wir beziehen immer den jeweiligen Ort mit ein", sagt Ensemblemitglied Nils Foerster.
So entstehen stets Uraufführungen, die das besondere Flair, die Geschichte und Stimmungen an den Aufführungsorten aufnehmen und verarbeiten. Kloster Eberbach, so Foerster, habe sich da natürlich angeboten. "Wir haben Kontakt zur Stiftung aufgenommen, und man war sofort begeistert." Die Idee, Theater und Wein kreativ zu verbinden entstand in der Berliner Weinbar "Weinerei", erklärt Foerster. Die spezielle Herausforderung besteht darin, dass die Schauspieler nicht in Rollen über Wein sprechen und spielen, sondern selbst Weine verkörpern. "Weine, die aus ihrer Perspektive von sich und ihren Erlebnissen sprechen", erläutert Nils Foerster. In den fünf Jahren Weintheater sei mittlerweile ein ganz eigenes körperliches Spiel entstanden.
"In diesem Jahr gastierten wir unter anderem in der Nordpfalz und in Franken bei den Feierlichkeiten zum 350-Jährigen des Silvaners", sagt Foerster. Auch das Abendmahl, aus Sicht des Rotweins erzählt, wurde bereits an drei Gründonnerstagen in Berlin auf die Bühne gebracht, oder vier personifizierte Sekte beim Prozess der Entstehung in einer Sektkellerei begleitet.
In Eberbach soll mit der Aufführung ein ganz besonderer Zugang zur Geschichte des Klosters geschaffen werden: An vier verschiedenen Orten des Klosters werden die Besucher die Geschichte des Klosters und mit ihm die Kulturgeschichte des Weins erleben, also mit den Schauspielern durch die ganze Klosteranlage ziehen und natürlich auch den Wein probieren. In den Mauern verberge sich immerhin ein ganzes Jahrtausend Weingeschichte, so Foerster - Stoff genug, um mannigfaltige Gesichter dieses Getränkes und Lebensmittels zu zeigen: Wein als Handelsware, als politische Reliquie, als Mittelpunkt von Ritualen. Wein als Medizin, als berauschendes Getränk - Szenen, an deren Fertigstellung das Ensemble derzeit noch arbeitet. "Erst kurz zuvor werden wir direkt im Kloster proben", sagt Nils Foerster und lädt ein, sich bei der Aufführung von einem Wein durch die schmerzvolle Kulturgeschichte des Kelterns führen zu lassen. Zunächst ist lediglich ein Termin geplant, doch, so Michael Palmen von der Stiftung Kloster Eberbach, könne man sich durchaus weitere Aufführungen vorstellen: "Hinsichtlich weiterer Termine stehen zwar noch keine genauen Daten fest, es ist aber geplant, im Jahr 2010 nach Ostern und vielleicht vor Beginn des Rheingau Musik Festivals zwei Folgeaufführungen anzubieten", so Palmen.

