Tee-Kultur kann tödlich sein
15.05.2010 - WIESBADEN
Von Viola Bolduan
KRIMI Alexander Pfeiffer stellt Anni Bürkl vor
Tee oder Kaffee? Nicht nur eine Frage am Tagesbeginn, sondern eine fast schon existenzielle. Jedenfalls im Krimi der Wiesbadener Krimi-Stipendiatin Anni Bürkl aus Wien, schließlich stellt er sich unter den Titel "Schwarztee" und bietet von Kapitel zu Kapitel verschiedene Tee-Sorten an. Morde und private Ermittlungsarbeit auch.
Zum Auftakt der öffentlichen Auftritte der drei Stipendiaten, die sich in diesem Monat in der Stadt und vor allem im Literaturhaus aufhalten - denn hier haben auch Regula Venske und Horst Eckert Quartier bezogen - stellte Alexander Pfeiffer den österreichischen Gast vor. "Tandem" ist Programm in diesem Jahr: Den Dreien sind zu ihren Lesungen jeweils Wiesbadener Krimischreiber zur Seite gestellt. Das ist eine schöne Idee, die sich auch in verdoppelter Besucherzahl niederschlagen könnte. Das allerdings war zum Start im Roten Salon des Literaturhauses nicht der Fall. Aber, dass sich die Doppelbesetzung am Podium deutlich auf die Veranstaltungsdauer niederschlug. Dabei hatte der Abend unterhaltsam begonnen.
Kaffee oder Tee? Alexander Pfeiffer, seit langem als Autor und Literaturorganisator in Wiesbaden bekannt, hatte sich als Moderator die Struktur des Gegenwelten-Modells vorgenommen. Für Anni Bürkl ("Ich bin Zwilling") geht zwar beides, aber es geht auch so: Kaffee als Aufputschmittel in der Arbeitswelt - und Tee-Kultur im Literatur-Salon sowie als Buchtitel. Das passte - zumal der von der Autorin servierte nicht ohne todbringende Beigabe bleibt. Wie pikanterweise während der Lesung an einem Kritiker ausgetestet. Bürkl liest szenisch anschaulich, rollen-
betont in suggestivem Rhythmus, von dem man sich gern einnehmen lässt. Dazu eine Tasse Earl Grey.
Pfeiffer trinkt indessen wieder Kaffee. Das hält Taxifahrer auf Trab. Vor allem nachts, auf der dunklen Seite der Gegenwelten seiner Bücher. "Im Bauch der Stadt" (2005) stellt er eine Typologie Wiesbadener Nachtschattengewächse vor und in der Feuerwerk-Passage aus "Das Ende vom Lied" (2008) den Gegensatz zwischen der Hof-Gesellschaft beim Kurhaus-Bau und einem Hartz-IV-Empfänger heute.
Gift oder Schusswaffe? Wäre auch bei der Wahl der Mittel ein Gegensatz zwischen Krimi-Autorin und -Autor zu konstruieren? Nur auf den ersten Blick. Denn künftig greift Anni Bürkl zur Säge - genauso sicher wie an diesem Abend zum Tee. Geschmackvoll.

