Ghada Abdelaals Buch „Ich möchte heiraten!“ - Lesung in Frankfurt
08.02.2012 - FRANKFURT
Von Viola Bolduan
ÄGYPTEN Ghada Abdelaal: „Ich möchte heiraten!“
Absurd, schüttelt die Europäerin den Kopf - Tradition, stellt die Ägypterin mittleren Alters lapidar fest - kritisch, sagt Ghada Abdelaal, wirft sie ihr Auge auf die ägyptische Gesellschaft, dabei insbesondere auf die Rollen von Frau und Mann. Wie sie ihnen vor und für die gewöhnliche Ehe zugeteilt sind. Im Vergleich zur Gegenwart im arabischen Land war selbst das europäische Mittelalter ein Zivilisationsgipfel von Frauenfreundlichkeit und Gleichberechtigung.
Die heute 33-jährige Ägypterin Ghada Abdelaal tut uns leid. Zehn Versuche unternimmt sie, unter die Haube zu kommen, wie es Brauch in ihrem Lande ist. Zehnmal scheitern sie - am Geschäftsgebaren der Familien, am Machogehabe der Männer, an ungleichen Voraussetzungen für die Frau, den Mann, die zu heiraten gezwungen sind. Freie Partnerwahl? Fehlanzeige. Eine ledige Frau Ende 20? Ein Ladenhüter. Respekt vor der Selbstständigkeit einer Frau? Was ist das?
Abdelaals Buch „Ich will heiraten!“ ist 2010 in deutscher Übersetzung erschienen, drei Jahre zuvor in Ägypten - jetzt kommt die Autorin mit ihrer Gesellschaftssatire nach Frankfurt. Auf Einladung des Ägyptischen Festivals anlässlich der Tutanchamun-Ausstellung liest sie am 9. Februar, begleitet von ihrer Übersetzerin Kristina Bergmann.
Bestseller und TV-Serie
Auch wenn Abdelaal arabische Familientradition und Männerarroganz aufs Korn nimmt, in naiver Schilderung des Skurrilen - das Buch ist zu Hause ein Bestseller geworden. Vor seinem Druck war es auch schon Abdelaals Blog „Wanna be a bride“, womit die Autorin zu jenen gehört, die über die sozialen Netzwerke eine breite Diskussion angestoßen hatte. Einen weiteren Popularitätsschub erreichten die Aufzeichnungen durch eine ägyptische TV-Serie mit Abdelaal als Drehbuchautorin.
Die Frau in Ägypten ist eine Ware - von den Eltern geschäftstüchtig bewahrt und an den Meistbietenden verschachert. Sie hat einen Stellenwert nur als Mutter, die die unterschiedliche Einschätzung und Rangordnung der Geschlechter an die Kinder weitergibt. Selten, dass sich ein Mädchen aus den gesellschaftlichen Zwängen so herauswindet wie Ghada Abdelaal, die ihre eigenen Erfahrungen als Modell für 15 Millionen ägyptische Frauen schildert, deren einzige Daseinsberechtigung darin liegt, einen Mann zu nehmen. Und hier - wenn es denn eine gäbe - fällt die Wahl schwer zwischen Bigamist, Schwindler, Hochstapler, armer Schlucker, Dummkopf, Rüpel, Macho.
Ich-Erzählerin Bride (engl. Braut) geht durch zehn Begegnungen mit potenziellen Heiratskandidaten, sie strengt sich an, die Familie sucht und findet endlich das probate Mittel einer sogenannten ägyptischen Salon-Heirat. Das heißt: Die Ehe wird von der Familie arrangiert, wie noch immer allgemein üblich. Nicht immer aber erfolgreich, wie hier dargestellt. Blamage wohin man auch sieht. Für Mutter, Vater, Onkel, die Bräutigamme, die Braut. Bride, Ghada Abdelaals Alter ego, tut uns am Ende überhaupt nicht leid. Als studierte Pharmakologin aus Mahalla al-Kubra ist die Ägypterin ledig geblieben und braucht deshalb auch keinen Mann um Erlaubnis zu fragen, ob sie nach Deutschland fahren darf, um die Heiratssitten ihres Landes vorzustellen und sich selbst als erfolgreiche Autorin.

