Caligari Wiesbaden zeigt bei hr2-hörfest „Sound of Noise“
02.02.2012 - WIESBADEN
Von Peter Müller
Amadeus (Bengt Nilsson) ist, wie der Name schon orakelt, von Geburt an hoffnungslos unmusikalisch. Was in der versnobten Musiker-Dynastie derer von Warnebring ein äußert schweres Schicksal bedeutet - und ihn eher zu einem verzweifelt Stille Suchenden hat werden lassen. Mit überschaubarem Erfolg. Während der weltberühmte Bruder als Star-Dirigent mal wieder die gesamte Hochkultur-Mischpoke verzückt, wird der Kommissar im erlesenen Familien-Zirkel bestenfalls mitleidig belächelt. Dabei steckt der krachsensible Anti-Terror-Spezialist doch gerade mitten in den Ermittlungen zu einer mysteriösen Anschlags-Serie. In Malmö treiben nämlich grimmig vermummte Akustik-Anarchisten ihr musikalisches Unwesen. Ihr Signet: ein Metronom.
Terroristischer Masterplan
Sechs von Mozart, Beethoven und Co. enttäuschte Schlagwerker, fachmännisch rekrutiert von der blonden Drums-Amazone Sanna (Sanna Persson Halapi), scheinen fest entschlossen, die schwedische Klangwelt neu einzunorden. Und was zu Anfang noch Rätsel aufgibt, entpuppt sich bald als terroristischer Masterplan. Die verwegene Idee der Percussionisten-Gang: „Music for Six Drummers and One City“ - eine visionäre Partitur in vier Aktionskunst-Exempeln, die den Beweis antritt, was alles und dass alles Musik sein kann. Die Bühne ihrer subversiven, stets von erheblichen Kollateralschäden begleiteten Großstadtsinfonie: mal ein gekaperter Operations-Saal, eine in Geiselhaft genommene Bank oder die Starkstromleitungen des Elektrizitätswerks, wo die Licht-Show gleich inklusive ist.
Zugegeben: dieser Plot klingt selbst für skandinavische Verhältnisse ziemlich absurd. Allerdings hat das Regie-Duo Ola Simonsson/Johannes Stjärne Nilsson von „Sound of Noise“ schon einen erklecklich kultigen Pilotfilm dazu in der Werkliste: Anno 2001 ließen sie sechs Schlagwerker schon für einen Kurzfilm, der flugs zum Festival-Renner und zum Youtube-Hit avancierte, in fremde Wohnungen einbrechen und staubtrocken auf Küchen-Utensilien oder Couch-Garnituren hämmern. Nun haben sie das subversive Ganze in einen amüsanten, politisch unkorrekten Spielfilm übersetzt, der ein bisschen Musical-Thriller, ein bisschen Liebesgeschichte, ganz viel Parabel auf die Arroganz des akademischen, vermeintlich elitären Kultur-Establishments und nicht zuletzt auch ein Stück über die Stille ist. „Sound of Noise“, bei der traditionellen „Langen Caligari-Filmnacht des Hörens“ im Rahmenprogramm des hr2-hörfestes zu sehen, bereitet vor allem über seine schrullig inszenierten „Gigs“ nachhaltig Spaß. Die Umbaupausen, sprich: Rahmenhandlungen, sorgen dagegen schon mal für Längen, aber das mag man bei einer derart originellen Low-Budget-Produktion gerne verschmerzen.

