(ub). "Bewohntes Land" nennt die Malerin Irmgard Weber ihre aktuelle Ausstellung in der Thalhaus-Galerie. In der Tat bezeichnet das Motto eine komplexe Bildsymbolik - welche sich allerdings erst auf den zweiten Blick erschließt. Zunächst nämlich wirken die Gemälde durchaus konventionell, es begegnen erkennbar Landschaftsvariationen, deren Vielzahl von Grüntönen im Quantitätswettbewerb mit dem Frühlingspark vor den Galeriefenstern gewinnt. Im Verlauf der weiteren Betrachtung allerdings beginnt mit der Entdeckung irritierender Einzelformen ein Fragespiel. Was sehen wir hier eigentlich? Ist jene Blüte nicht Hand und jene Wiese nicht Leib? Und handelt es sich beim Grasland nicht eher um schilfiges Gewässer? Erblicken wir hier nicht Ophelia, versinkend, ertrinkend in ihren Träumen? Es ist dieses Oszillieren zwischen Abstraktion, Mythos, Eros und Psychologie, das den Reiz der Gemälde Irmgard Webers ausmacht. Sie visualisiert Lebensbahnen - auch ironisch: etwa dann, wenn sie Baummenschen mit Spinnennetzen voll kleiner Herzen zusammenbindet.

