Stark in die Defensive gedrängt / Prädikatsweingüter: "Das Maß aller Dinge"/ Alternative Verschlüsse holen allerdings auf
HEI. WIESBADEN Die Diskussion um den optimalen Verschluss bei Weinflaschen ist in vollem Gange. Die Korkstopfen mussten in den vergangenen Jahren Federn lassen, Schraubverschlüsse, Plastik und Glas haben dagegen - auf niedrigem Niveau - zugelegt. Wobei zu sagen ist, dass es d e n optimalen Verschluss derzeit nicht gibt. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Dass der Korken längst in die Defensive gedrängt wurde, geben sowohl der deutsche als auch der portugiesische Korkverband Apcor zu. Dessen Präsident Antonio Amorim erklärte jetzt in Wiesbaden, was die Qualität der Korken angehe, hätten die rund 300 dem Verband angeschlossenen Betriebe in Portugal in den vergangenen zehn Jahren mehr als 400 Millionen Euro in neueste technische Entwicklungen sowie verbessertes Qualitätsmanagement investiert. Das dies auch bitter nötig war, machen die Absatzzahlen deutlich. Binnen fünf Jahren halbierte sich demnach die Zahl der mit Kork verschlossenen Flaschen auf 500 Millionen. Hauptgrund für diese Entwicklung: die unangenehmen Korkschmecker und Mufftöne im Wein. TCA (Trichloranisol) heißt der Hauptfeind des Weins. Er bildet sich aus einer Reaktion von Schimmelpilzen und anderen Substanzen. Inzwischen habe man die Sache im Griff, versichert Amorim, dessen Verband eine aufwändige Goodwill-Kampagne in Sachen Korkstopfen betreibt, um den Negativtrend umzukehren. Amorim geht davon aus, dass sich der Korkanteil bei Verschlüssen weltweit in Zukunft bei etwa 65 Prozent einpendelt. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) steht unterdessen mit der Mehrheit seiner rund 200 Betrieben voll hinter den Korkherstellern, vor allem was die Spitzengewächse der Topwinzer angeht. Wilhelm Weil, Vorsitzender des VDP-Rheingau, stellte unmissverständlich klar: "Der Korkverschluss ist das Maß aller Dinge." Gleichzeitig lobte Weil die Anstrengungen der Korkindustrie in Sachen Qualitätsmanagement. Verbindliche Vorgaben an seine Mitglieder will Weil allerdings nicht geben. Jedes vierte VDP-Weingut verwendet unterdessen Schraubverschlüsse, jeweils acht Prozent ziehen Plastik oder Glas vor. In Portugal wächst auf 730 000 Hektar ein Drittel aller Korkeichen der Welt. Das Land liefert mehr als die Hälfte der Weltkorkproduktion (54 Prozent). Der Export von Korkprodukten bringt Portugal pro Jahr Einnahmen von 900 Millionen Euro. Korkeichen werden 200 Jahre alt, 25 Jahre muss man bis zur ersten Ernte warten. Dann darf alle neun Jahre geerntet werden. Ein Baum erbringt bis zu 60 Kilo Borke für 4000 Korken.

