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Wiesbadener Tagblatt

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War erschossene Polizistin Drogen-Lockvogel?

19.05.2007

Junge Beamtin soll in Heilbronn mit Scheingeschäft Dealerin überführt haben / Kollege weiter im Koma

HEILBRONN (dpa) War der Mord an der jungen Polizistin im April in Heilbronn doch ein Racheakt von Gangstern? Jetzt berichtet der Südwestrundfunk, dass die 22-Jährige zuvor als Lockvogel in der Drogenszene aktiv war und mit ihrer Aussage eine Dealerin ins Gefängnis brachte.

Im August vergangenen Jahres habe die Polizistin in Zivil bei einer Rauschgifthändlerin fünf Gramm Heroin gekauft, so das SWR-Fernsehen. Recherchen der Landesschau beriefen sich auf eine Zeugenaussage der Beamtin bei der Kripo Heilbronn. Nach ihrem Einsatz als Scheinkäuferin sei die Polizisten wieder offen in Uniform auf Streife gegangen. Das baden-württembergische Innenministerium wollte sich mit Hinweis auf das laufende Verfahren dazu nicht äußern, ebenso die Staatsanwaltschaft Heilbronn. Ein Sprecher der Heilbronner Polizei sagte nur , dass die Beamtin nicht als verdeckte Ermittlerin gearbeitet habe. Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger (CDU) hatte kurz nach der Tat gesagt, der Vorfall könnte möglicherweise ein kaltblütiger Racheakt und ein gezielter Schlag gegen die Polizei gewesen sein. Daraufhin war kritisiert worden, er plaudere Ermittlungsdetails aus. Laut SWR hatte die Polizistin gegen die Drogendealerin als Zeugin ausgesagt. Demnach soll die Beamtin als Lockvogel selbst das Rauschgift gekauft haben, was letztlich zur Verurteilung der Dealerin geführt haben soll. Die mit Unterschrift der Beamtin versehene Aussage liege dem Sender vor. Laut Gewerkschaft der Polizei hätte die Frau danach nicht wieder in der Region in Uniform eingesetzt werden dürfen. Der angeschossene Kollege (24) der Polizistin ist weiter nicht ansprechbar. Die Ermittler hätten wenig Hoffnung, dass er in den nächsten Wochen vernommen werden könne, so die Polizei. Er sei aber auf dem Weg der Besserung und reagiere auf Schmerzreize. Wann ihn die Ärzte aus dem künstlichen Dauerschlaf wecken, stehe noch nicht fest. Vor drei Wochen hatten Unbekannte auf dem Festgelände Theresienwiese auf den Beamten und seine Kollegin geschossen. Die Frau war sofort tot. Weiterhin fehlt jede Spur vom Täter. Die Ermittler sind bislang 500 Hinweisen nachgegangen. Auch eine Belohnung von 100000 Euro brachte bisher nicht den erhofften Erfolg. Weil der Polizist der einzige Zeuge sein könnte, wird er rund um die Uhr bewacht. Unklar ist aber, ob er sich überhaupt an die Tat erinnern wird.


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