Von Michael Erfurth und Max Hilger
Eine „Amok-Drohung“ an der Fritz-Straßmann-Realschule hat am Freitag für ein nahezu leeres Schulzentrum Hechtsheim gesorgt. Auslöser war eine Schmiererei auf der Mädchentoilette. Die Fritz-Straßmann-Realschule stellte es den Eltern frei, ihre Kinder in der Unterricht zu schicken, die benachbarte Theodor-Heuss-Grund- und Hauptschule sagte den Unterricht komplett ab.
Am Dienstag hatten Schülerinnen der Realschule in der ersten Stunde an der Wand der Mädchentoilette einen mit Eddingstift geschriebenen Spruch entdeckt. Die Schülerinnen informierten die Schulleitungen. Dass dort gestanden haben soll „Am 12.3. bringe ich Euch alle um“, so die ersten Angaben, bestätigte Günter Schneider, der als Einsatzleiter der Polizei gestern vor Ort war, nicht. „Der Satz war belangloser.“ Den genauen Wortlaut nennt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Wie Schuleiter Walter Gehrmann berichtete, sei bereits bis zur fünften Stunde der Spruch abgewischt worden, „womöglich von demjenigen, der ihn an die Wand geschrieben hat.“ Gehrmann hatte am Dienstag die Polizei alarmiert. Eltern, die angerufen hätten, sei freigestellt worden, ihre Kinder am Unterricht teilnehmen zu lassen.
Polizeipräsenz gab allen besseres Gefühl
Am Freitagmorgen kamen nur vereinzelt Schüler der Realschule, an jedem Eingang zum Schulhof waren Polizeibeamte postiert. „Wir wollen den Kindern und Eltern die Sorgen nehmen und Ansprechpartner vor Ort sein. Wir gehen aber von keiner akuten Gefährdung aus“, erklärte Schneider. Die wenigen Schüler auf dem Schulhof wussten nicht so recht umzugehen mit der Situation. Kaum einer glaubte an eine akute Gefahr: „Ich denke nicht, dass etwas Ernstes dahinter steckt. Da wollte wohl jemand lustig sein“, meint Schülerin Esra. Einige hätten aber schon Angst gehabt, für andere wäre es ein willkommener Grund, nicht zur Schule zu gehen. Auch Jana hatte Bedenken: „Wir haben aber gesagt bekommen, uns kann nichts passieren.“
Die Polizeipräsenz gab allen Schülern ein besseres Gefühl. Einige Eltern brachten ihre Kinder zur Schule. „Die Kinder zuhause zu lassen, wäre nicht richtig gewesen, damit reagiert man ja auf den Quatsch“, erzählte Kathi Walther-Radosch. Der Schulleiter beruhigte die Situation: „Die Gefahrenlage ist laut Polizei äußerst gering. Deswegen findet der Unterricht statt. Man darf sich nicht einschüchtern lassen und Trittbrettfahrer ermuntern.“ Elternbeiratssprecher Stephan Zell spricht von einem „perfekten Verhalten der Schule, möglichst wenig Panik zu verbreiten“.
Unterschiedliche Einschätzungen der Schulen
Der Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule, Guido Müller, indes stellte Informationen nur über die Homepage zur Verfügung: Man habe im Einvernehmen mit dem Elternbeirat am späten Abend entschieden, den Unterricht auszusetzen. „Hier war die Kommunikation nicht optimal“, sagt Schuldezernent Kurt Merkator (SPD). Die Unruhe unter Eltern und Schülern sowie die Schließung einer Schule hätten vermieden werden können: Die betroffene Schule habe die Polizei, aber auch den Schulträger und die Schulbehörde zu informieren, weiterhin – besonders in einer Konstellation wie dem Schulzentrum Hechtsheim – die unmittelbar angrenzenden Schulen. „Dies ist hier nicht passiert“, bedauert Merkator. Die Realschulleitung habe nur die Polizei verständigt, die kein Gefährdungspotential erkennen konnte. Wohl erst von Schülern und Eltern informiert, reagierte die Theodor-Heuss-Schule mit der Schließung.
„Wenn eine Gefährdung vorliegt, entscheidet der Schulleiter in Eigenverantwortung über das weitere Vorgehen. Maßgeblich für die Einschätzung der Gefährdungslage ist die Polizei“, stellt Miriam Lange, Pressesprecherin der Aufsichtsbehörde ADD klar. Warum es zu unterschiedlichen Einschätzungen der Schulen gekommen ist, will die ADD mit Schulleitungen und Polizei klären.
Die Polizei hat noch keinen Tatverdächtigen ermittelt.


Amok!
Alles ist gut verlaufen. Wenn wirklich etwas passiert wäre, das Gechrei wäre groß! Der Täter wird hoffentlich geschnappt und hat genug Geld, dass er den Einsatz bezahlen kann.