Nazi-Demo und Gegendemo in Erbenheim und Wiesbaden bleiben friedlich
10.05.2010 - WIESBADEN
Von Wolfgang Degen
Aufatmen in Wiesbaden - es blieb nahezu komplett friedlich. Rund 150 Neonazis haben ihre Demonstration im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim abgehalten. Gleichzeitig fand die in der Nähe die angekündigte Gegendemonstration mit 1.500 Teilnehmern in der Spitze statt. Rund 800 Teilnehmer zogen anschließend zum Wiesbadener Hauptbahnhof weiter und hielten dort eine weitere spontane Kundgebung ab. Auch diese verlief bis auf minimale Zwischenfälle friedlich.
Die Polizei, die mit einem massiven Aufgebot beide Gruppen weitläufig voneinander getrennt hatte, sprach am frühen Abend von einem weitestgehend friedlichen Verlauf des Tages. Man habe mehrere Personen vorübergehend festgenommen, darunter vor allem Gegendemonstranten, die Absperrungen durchbrechen wollten. Einmal kam dabei Pfefferspray zum Einsatz, zudem flogen vereinzelt Flaschen und es gab Tritte gegen Polizisten - ansonsten blieb die Lage ruhig.
"Das Konzept der Polizei mit starker Präsenz sowie dem konsequenten Trennungsgebot haben sich bewährt", hieß es in einer Pressemitteilung. Nach dem Ende der Demo am Hauptbahnhof blieben nur noch wenige Gegendemonstranten auf dem Vorplatz.
Die Polizei war mit rund 2.500 Polizisten im Einsatz. Schon den ganzen Tag über waren frühzeitige und umfängliche Kontrollen durchgeführt worden, zwei Polizei-Hubschrauber kreisten über dem Gelände - aber von Bürgerkriegs-Atmosphäre ist nichts zu spüren. Beide Lager rückten mit deutlich weniger Teilnehmern an, als angekündigt worden war. Es war mit rund 300 Neonazis und über 2.000 Widersachern gerechnet worden.
Bundespolizei holt Gegendemonstranten von Bahngleisen
Die Rechtsextremen waren am Vormittag in Zügen aus Richtung Mainz und Richtung Niedernhausen angereist und in einem Zelt am Erbenheimer Bahnhof von der Polizei kontrolliert wurden. Bei ihrer Anreise musste zwei Mal die Bundespolizei eingreifen: bei Igstadt und am Kreuzberger Ring bei Erbenheim hatten sich jeweils rund zehn Demonstranten auf die Gleise begeben, um die Züge zu stoppen. Sie erhielten einen Platzverweis; insgesamt wurden hier 19 Demonstranten zeitweise in gewhrsam genommen.
Während die meisten Rechten per Zug anreisten, fuhr Udo Pastörs mit dem Auto vor. Der NPD-Landtagsabgeordnete sprach auf der genehmigten Kundgebung, zu der die NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokarten" aufgerufen hatte, auf dem Erbenheimer Airfield. Pastörs war vor wenigen Tagen in Saarbrücken wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Bewährungshaft verurteilt worden - er hatte unter anderem das Wort "Judenrepublik" in einer Rede gebraucht.
Keine Blockaden am Airfield und in Alt-Erbenheim
Mehrere Redner bei der Gegendemonstration wie der SPD-Landtagsabgeordnete Ewald Roth riefen zum gewaltlosen Protest gegen die Rechtsextremen auf. Auch die von der Polizei befürchteten Blockadeversuche der Gegendemonstranten außerhalb ihrer "Sperrzone" am Airfield Erbenheim und in Alt-Erbenheim blieben aus.

