Neubau Schiersteiner Brücke: Planfeststellungsbeschluss noch im Februar
22.02.2012 - MAINZ / WIESBADEN
Von Markus Lachmann
Vor fast 50 Jahren wurde die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden in Betrieb genommen. Damals war sie noch als Bundesstraße vorgesehen. Heute bröckelt der Beton auf der Autobahnbrücke: Nur noch bis Ende 2015 kann das Bauwerk, über das am Tag mehr als 90.000 Fahrzeuge rauschen, genutzt werden. Bis dahin soll rheinabwärts direkt neben der alten Brücke (also in Richtung Bingen) der erste Teil des Neubaus stehen, auf den dann der Verkehr umgeleitet wird.
Dann wird die alte Brücke abgerissen und auf ihren Pfeilern bis Mitte 2019 der zweite Teil des Neubaus entstehen. In beiden Fahrtrichtungen, zumindest auf hessischer Seite, stehen dann drei Spuren plus Standstreifen zur Verfügung. Auf rheinland-pfälzischer Seite wird es nur zwei Spuren plus Standstreifen geben, ein Tribut, den die SPD unter Kurt Beck ihrem Koalitionspartner, den Grünen, gezollt hatte. „Dann ist halt in Rheinland-Pfalz Stau“, heißt es in hessischen Regierungskreisen hinter vorgehaltener Hand.
Baubeginn soll Anfang 2013 sein, sagt die Sprecherin des hessischen Verkehrsministeriums, Ulrike Franz-Stöcker. Hessen habe seine Hausaufgaben gemacht und Baurecht geschaffen. Rund 180 Millionen Euro will sich der Bund die Maßnahme kosten lassen.
Zwei Jahre Bauzeit
So weit der Plan. Denn auch in Rheinland-Pfalz muss noch Baurecht geschaffen werden, erst dann kann losgelegt werden. In Mainz ist man für den Abschnitt von der Anschlussstelle Mombach bis zur Landesgrenze, also den kleineren Teil der Schiersteiner Brücke, zuständig. Noch im Februar soll der Planfeststellungsbeschluss erlassen werden, erklärt Joachim Winkler, Sprecher des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums. Garantien für ein Baurecht könnten dann allerdings nicht gegeben werden, da noch Klagen gegen den Beschluss möglich seien.
Nach Angaben von Winkler wird die reine Bauzeit zwei Jahre betragen. Für Ausschreibung, Vergabe und Bauvorbereitung müsse zusätzlich mit mindestens einem Jahr gerechnet werden. Davon könne allerdings ein Teil vorgezogen werden. Wird also womöglich der Zeitplan durcheinandergewirbelt – und was bedeutet das für die marode, alte Brücke? Das Verkehrsministerium in Wiesbaden ist überzeugt, dass die zeitlichen Vorgaben eingehalten werden können. Laut einem Gutachten kann die alte Brücke noch bis Ende 2015 genutzt werden. Danach wären „permanente Sanierungen der Risse“ und „dauernde Reparaturarbeiten“ nötig. Nur mit hohem technischen Aufwand sei dies möglich und damit unwirtschaftlich. Weil die Brücke bröckelt, wurde schon 2007 das Tempolimit auf 60 Kilometer in der Stunde heruntergesetzt.
Noch 2012 sollen die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Am Schiersteiner Kreuz wird es Rodungen geben, auch werden Leitungen verlegt. Doch was ist mit den Autofahrern? Bis 2015 ist laut hessischem Ministerium nicht mit Behinderungen zu rechnen, da der Neubau den Verkehr nicht beeinflusse. Doch spätestens dann, wenn der Verkehr umgelenkt wird, dürfte es happig werden. Wer die Situation auf der Schiersteiner Brücke kennt, weiß: Schon kleinste Störungen können den Kollaps auslösen.


