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Neuer Wiesbadener Mietspiegel in Kraft - "Wiesbaden ist und bleibt teuer"

01.02.2012 - WIESBADEN

Von Manfred Gerber

Seit Dienstag, nachdem ihn der Magistrat zur Kenntnis genommen hat, ist der neue Mietspiegel in Kraft. Auf das Zahlenwerk haben sich der Mieterbund, die Eigentümergemeinschaft Haus & Grund, Sachverständige und die Bewertungsstelle im Tiefbauamt geeinigt. Gleichzeitig legte der Mieterbund seinen 5. Mietenreport vor. „Wiesbaden“, damit stellte der Geschäftsführer des Mieterbunds Jost Hemming nichts ganz Neues fest,„ ist und bleibt ein teures Pflaster“. Hemming appellierte an die Verantwortlichen der Großen Koalition im Rathaus, ihr Vorhaben wahr zu machen und bezahlbaren, preiswerten Wohnraum zu schaffen.

9.000 Fragebogen

Seit 1980, so steht es im Mietenreport, haben sich die Mietspiegelmieten im Durchschnitt fast verdreifacht. In den vergangenen sechs Jahren aber sind die Mietanstiege moderater gewachsen: um durchschnittlich 8,2 Prozent, was einem jährlichen Anstieg von 1,36 Prozent entspricht. Das liege so Hemming im Trend des Anstiegs der allgemeinen Lebenshaltungskosten. Man dürfe aber nicht übersehen: Eine 80 Quadratmeter große Wohnung koste immerhin eine Kaltmiete von rund 650 Euro, hinzu kämen im Schnitt 180 Euro für Nebenkosten. „Das muss ein normaler Arbeitnehmer erst einmal verdienen“, sagte der Mieterschützer. Für den Mietspiegel haben die Beteiligten 9.000 Fragebogen ausgewertet.

Der niedrigste Quadratmeterpreis liegt bei fünf Euro für eine „einfache“ Altbauwohnung ohne Bad, der höchste bei 12,16 Euro in der Kategorie IV, „sehr gute“ Wohnlage „mit besonderer Ausstattung“. Am stärksten gestiegen sind die Mieten in Neubauwohnungen, die ab dem Jahr 2000 erbaut wurden. 2006 lagen hier die Quadratmeterpreise noch bei 9,39 Euro, inzwischen sind sie auf 10,22 Euro geklettert, ein Anstieg von 8,8 Prozent. Grundsätzlich sind die Mieten großer Wohnungen stärker gestiegen. „Aber es gibt offenbar eine betuchte Klientel, die zahlt, was ein normal Sterblicher nicht zahlen kann“, sagte Hemming. Bei mittelgroßen Neubauwohnungen von 60 bis 100 Quadratmetern sei sogar ein Mietanstieg von 10,1 Prozent seit dem Jahr 2006 festzustellen.

Erst eine kleine „Rauferei“

Jost Hemming, wie der Vorsitzende und Geschäftsführer von Haus & Grund, Wilfried Woidich, und viele der übrigen Beteiligten kennen sich, sie handeln seit 30 Jahren den Mietspiegel miteinander aus. „Zu den Anfangsritualen gehört immer eine kleine Rauferei“, berichtete Hemming, am Ende aber herrsche Einvernehmen.

Wilfried Woidich nannte den Mietspiegel ein „bewährtes Regulativ“, das zwar nicht rechtsverbindlich sei, aber bei Rechtsstreitigkeiten eine wesentliche Rolle spiele. Viele Vermieter hielten sich an die Margen, auch bei Neuvermietungen, obwohl sie das dann gar nicht müssten. Eine Erhöhung kann nach gegenwärtiger Gesetzeslage nur vorgenommen werden, wenn sie innerhalb von drei Jahren nicht mehr als 20 Prozent steigt. Die Grenze zum Mietwucher liegt bei einer Erhöhung um 50 Prozent. Wer das versucht, macht sich strafbar.

"Näher am Markt"

Neu ist am neuen Mietspiegel, dass man die Grenzen für Altbauten wieder zurückgesetzt hat. Galt zuletzt ein Haus bis Baujahr 1960 als Altbau, so gilt das nun wieder nur bis 1949.

Nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2008 hätte der neue Mietspiegel eigentlich ein so genannter Qualifizierter Mietspiegel sein müssen, unter Einbeziehung ökologischer Aspekte durch ein Darmstädter Institut. Die Stadtverordneten haben aber nicht gewusst oder nicht daran gedacht, dass das auch Geld kostet. Also hat man den Mietspiegel wieder auf die übliche Weise erstellt. Übrigens ehrenamtlich. „Damit sind wir aber auch näher am Markt“, sagte Woidich.

Die Entwicklung der Mieten in Wiesbaden. Archivfoto: RMB / windolf; Bearbeitung: VRM / ts

Die Entwicklung der Mieten in Wiesbaden. Archivfoto: RMB / windolf; Bearbeitung: VRM / tsVergrößern

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