Viel Spaß und etwas Politik: 280.000 Narren schauen sich den Umzug in Wiesbaden an
19.02.2012 - WIESBADEN
Von Katja Rietze
Damit haben die Wiesbadener Fastnachter sogar die Mainzer in den Schatten gestellt: Quasi über Nacht haben die Dacho-Wagenbauer um Guntram Eisenmann einen Motivwagen zum Rücktritt von Bundespräsident Wulff gezaubert. Der hat zwar nicht die übliche Größe, ist aber trotzdem gut gemacht: Ein Eimer Wulff-Kleber und ein Stuhl, an dem der Präsident wohl gern länger geklebt hätte. Dem Wagen ist das Motiv „CCW vs. Dacho“ zum Opfer gefallen, das den Streitigkeiten der beiden Fastnachtsgrößen gewidmet war.
Die übrigen vier Motivwagen der Dacho nehmen das Gezänk um die Rhein-Main-Hallen, die Euro-Krise und Griechenland, den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad und dessen „Bombenspielerei“ sowie Randalierer und Störenfriede im Fußballstadion aufs Korn.
35 Musikzüge bringen Schwung auf die Strecke
Mit viel Helau, bunten Kostümen, viel Wurfmaterial und schmissiger Musik sind am Sonntag 210 Zugnummern durch die Stadt gezogen. Mit dabei die Wiesbadener Fastnachtsvereine, die als Fußgruppe oder von den vielen Komiteewagen aus gute Stimmung verbreitet und vor allem die Kinder mit Bonbons, Popcorn und Co. erfreut haben. Und die 35 Musikzüge haben die Zuschauer entlang der Zugstrecke auch während der kurzen Schnee- und Regenschauer in Schwung gebracht. Nach Dacho- und Polizeiangaben säumen 280.000 Narren die Straßen.
Da sieht man eine Gruppe, die originell als Blumenwiese verkleidet ist, einige klassische Clowns und scharenweise Mädchen in flotten kurzen Röcken. „Wir gehen jedes Jahr zum Zug, das gehört doch dazu“, erzählen fünf hübsch verkleidete Schülerinnen der Sophie-und-Hans-Scholl-Schule. Die 15-Jährigen stehen an der Wilhelmstraße und warten auf die Hexen mit den Holzmasken: „Die sind zwar echt gruselig und ziehen einen manchmal mit sich, aber machen immer gute Stimmung“, wissen die Fünf schon aus den vergangenen Jahren.
Unschöne Nebenerscheinungen
Wegen der guten Stimmung beim Zug, aber auch weil man Gott und die Welt trifft, steht eine ganze Schar Erbenheimer vor der Industrie-und Handelskammer. „Das ist so, die Erbenheimer treffen sich jedes Jahr beim Zug hier. Da braucht man sich nicht extra für verabreden. Jeder bringt was mit und dann wird gefeiert“, erzählt Gerhard Heek fröhlich.
Weniger fröhlich geht es bei einer Gruppe Jugendlicher auf dem Dernschen Gelände zu: Drei von ihnen liegen betrunken auf dem Boden. Für solche unschönen Nebenerscheinungen sind auch in diesem Jahr wieder Polizei und Ordnungsamt unterwegs gewesen und haben in Zivil Alkoholkontrollen durchgeführt.
Das Fazit von Dacho-Chef Werner Mühling fällt trotzdem gut aus:„Ich bin zufrieden, es waren trotz des Wetters sehr viele Leute da und die Stimmung war gut.“

