Von Wolfgang Bürkle
Initiative in Ludwigshafen geht gegen Geschäfte der rechten Szene vor
LUDWIGSHAFEN/MANNHEIM Menschen identifizieren sich über Kleidung und zeigen damit, wer oder was sie sind oder sein wollen. Auch in der links- und rechtsextremen Szene zeigen bestimmte Kleidungsstücke, welcher Seite man sich zuordnet.
Bei Anhängern des rechten Gedankenguts haben sich einige Bekleidungsmarken wie "Consdaple" oder "Thor Steinar" als Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmal etabliert. In Ludwigshafen gibt es seit einigen Monaten zwei Läden, die diverse Artikel von und für die rechte Szene verkaufen. Im Oktober gründete sich daraufhin eine Bürgerinitiative mit dem Namen "Ladenschluss - kein Shopping für Nazis". Unterstützt wird die BI vor allem von Antifa-Gruppen, den Linken, Jusos und der Grünen Jugend. Ziel ist es, gegen das Erstarken der regionalen Naziszene und konkret gegen die beiden Geschäfte in Ludwigshafen vorzugehen. Mit Pressearbeit und Informationsveranstaltungen werde über die rechte Szene und ihre Läden informiert. Zudem sollen öffentlichkeitswirksame Aktionen durchgeführt und politischer Druck aufgebaut werden. "Unsere Ziele sind neben der Schaffung einer breiten antifaschistischen Öffentlichkeit vor allem die Schließung der Naziläden und das Zurückdrängen der Naziszene in der Stadt", heißt es auf der Webseite des Bündnisses. Eine Veranstaltung des Bündnisses beschäftigte sich Anfang November mit der rechten Musikszene. Michael Weiss, Mitautor des Buches "White Noise", beschrieb dort unter anderem die Auswirkungen von regionalen Bands wie "Hammerskins Westmark" oder "United Blood". Unterbrochen wurde die abgeriegelte Veranstaltung in der Fachhochschule durch etwa 30 Neonazis, die den Vortrag stören wollten. Die Polizei erteilte Platzverweise und nahm einige Störenfriede vorübergehend in Gewahrsam. Die Rechten sind von den Bemühungen des Bündnisses wenig beeindruckt. Auf einschlägigen Internetseiten der "Nationalisten" wird über die Aktionen des Bündnisses und von Antifaschisten hergezogen. Im Thiazi-Forum beispielsweise wird geschildert, dass das Gebäude, in dem das Geschäft "Streetwear Company" untergebracht ist und das einem ausländischen Hausbesitzer gehöre, mit antifaschistischen Parolen beschmiert wurde. Die Informationsveranstaltungen des Bündnisses werden als "Hetzveranstaltung gegen aufrechte deutsche Patrioten" bezeichnet. Auch werfen sie den Linksautonomen eine hohe Gewaltbereitschaft vor, ohne auf Diskussionen eingehen zu wollen. Die Ludwigshafener Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage dieser Zeitung, dass die beiden Geschäfte dem städtischen Bereich Öffentliche Ordnung nicht bekannt sind. Trotzdem wolle die Stadtverwaltung Geschäfte der rechten Szene kontrollieren und stärker überwachen. "Durch diese Präsenz und die Kontrollen will die Stadtverwaltung Kunden verunsichern und auch vom Besuch abhalten. Wenn sich eine Chance zu rechtlich bestandskräftigem Handeln bietet, wird die Stadtverwaltung auch tätig", erklärt Pressesprecher Martin Sommer. Dennoch sei festzustellen, dass die rechte Szene in diesem Kontext vorsichtig geworden ist.

